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Der besondere Friedhof: Neue Formen der Bestattung

Die Herbstsonne scheint durch die Baumwipfel und taucht den Wald in ein warmes Licht. Wenn man den Hügel am Ortsrand von Bergisch Gladbach betritt, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Ein gepflasterter Weg schlängelt sich in Form einer großen Acht durch die Anlage. Er führt vorbei an Brunnen und Quellteichen, an einem Kräutergarten und einem Labyrinth, an Kunstinstallationen und einer aus Baumstämmen errichteten Klagemauer. Das Sonnenlicht fällt auf im Wald verstreut liegende Urnengräber - an einem Bachlauf entlang, auf einer Waldlichtung oder unter Bäumen. Manche sind mit Kieselsteinen eingefasst, andere in die Baumwurzeln eingeschmiegt. Christliche Symbole, Blumen, Kerzen und persönliche Andenken schmücken die Gräber.

 

Der erste Privatfriedhof in Deutschland

 

Es ist ein besonderer Ort - der erste Privatfriedhof in Deutschland, der 2006 von dem Bestatter Fritz Roth gegründet wurde. "Gärten der Bestattung" nennt er sein Projekt. Es konnte verwirklicht werden, nachdem das 2003 geänderte Bestattungsgesetz in Nordrhein-Westfalen private Friedhöfe erlaubte und die Stadt Bergisch Gladbach die Bürgschaft übernahm für den Fall, dass das Bestattungshaus in Schwierigkeiten gerät und den Friedhof nicht mehr unterhalten kann.

Es ist ein Friedhof fast ohne Friedhofsordnung. Die Gräber können frei gestaltet werden. Trauerfeiern sind im Wald ebenso möglich wie in den Räumen des Bestattungshauses, dem "Haus der menschlichen Begleitung", das ebenfalls auf dem Gelände liegt.

 

Raus aus der Tabuzone

 

Fritz Roth wollte weg von den Steinwüsten, wie er die genormten Friedhöfe mit den genormten Gräbern und den genormten Grabsteinen nennt, und stattdessen kreative Plätze der Erinnerung schaffen. Er wollte weg von festen Öffnungs- und vorgeschriebenen Bestattungszeiten. Die Gärten der Bestattung sind rund um die Uhr geöffnet. Und bestattet wird zu Zeiten, wie es die Trauernden wünschen, nicht wie es die Friedhofsverwaltung vorschreibt. Es gibt eigentlich nur drei Regeln: Die Totenwürde muss geachtet werden, die Urnen müssen in verrottbaren Behältnissen bestattet werden, und die Namen der Verstorbenen müssen deutlich sichtbar sein. Anonyme Gräber lehnt der katholische Bestatter ab. Sie seien nicht nur würdelos. Sie können auch einen Trauerprozess behindern. "Wir kennen viele Geschichten von Menschen, die in ihrer Trauer stecken geblieben sind, weil ihnen - was sie vorher nicht bedacht hatten - das Grab fehlte. Tote dürfen nicht namenlos verschwinden. Sonst besteht die Gefahr, dass sie zu ,Vermissten' werden, die die Lebenden noch Jahre später ungut beschäftigen und einen Neubeginn nicht zulassen."

Der Tod müsse aus der Tabuzone wieder in das Leben der Menschen zurückgeholt werden. Deshalb gibt es auf dem Friedhof auch eine kleine Naturbühne, auf der Veranstaltungen stattfinden wie Musik, Kabarett, Theater, Lesungen - mal ernst, mal heiter.

 

Bestattung als pompöses Event oder ganz anonym

 

Das Interesse an dem Privatfriedhof ist groß. Denn knapp die Hälfte der Deutschen ist mit den traditionellen Bestattungsformen nicht mehr zufrieden und wünscht sich Alternativen. Dazu gehören Seebestattungen, bei denen die Asche der Verstorbenen in wasserlöslichen Urnen der See übergeben wird; das Verstreuen der Asche durch einen Friedhofsmitarbeiter auf einer eigens dafür bestimmten Friedhofswiese; die Pressung der Asche zu einem Diamanten; Beisetzungen unter Bäumen. Das geht aus einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest 2007 im Auftrag der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas hervor. Nur noch 51 Prozent der Befragten wollen ein traditionelles Erd- oder Urnengrab. Vor zehn Jahren betrug ihr Anteil noch 87 Prozent.

Auffallend ist einerseits der Hang zu einer individuellen Gestaltung der Bestattung bis hin zu einem Event, andererseits der Anstieg der anonymen Feuerbestattungen. In Großstädten sind es mittlerweile bis zu 50 Prozent. Dafür gibt es viele Gründe:

- Die Kosten einer herkömmlichen Erdbestattung können nach dem Wegfall des Sterbegeldes von vielen nicht mehr aufgebracht werden. Sie suchen daher nach preiswerteren Möglichkeiten.

- Für Sozialbestattungen durch das Ordnungsamt werden häufig anonyme Bestattungen angeordnet.

- Menschen wollen ihren Angehörigen mit der Grabpflege nicht zur Last fallen. Oder sie haben keine Angehörigen mehr. Oder die Familien sind zerrüttet.

- Die Trauerkultur verändert sich. Der christliche Glaube verliert an Bedeutung. Riten und Bräuche im Umfeld von Bestattung und Trauer werden nicht mehr verstanden.

- Oft ist es aber auch ein stiller Protest gegen allzu viele Vorschriften der Friedhofsverwaltungen, die keinen Raum lassen für Individualität.

 

Friedwälder: Urnen in der Natur

 

Immer beliebter werden die Baumbestattungen in sogenannten Friedwäldern (www.friedwald.de) oder Ruheforsten (www.ruheforst.de), bei denen die Urne direkt an den Wurzeln eines Baums beigesetzt wird. Bei der Baumauswahl besteht die Möglichkeit, sich zwischen einem Platz am Gemeinschaftsbaum oder für einen Familien- und Freundschaftsbaum zu entscheiden, an dem bis zu zehn Personen beigesetzt werden können.  Ein kleines Namensschild im Scheckkartenformat am Baumstamm macht auf die Grabstätte aufmerksam. Wer eine anonyme Bestattung möchte, kann aber auch auf dieses Schild verzichten. Gräber dürfen in Friedwäldern und Ruheforsten nicht angelegt werden, selbst Blumen und Kerzen sind nicht erlaubt und werden vom Förster entfernt.

 

Bedenken der Kirche

 

Die katholische Kirche lehnte eine Bestattung in Friedwäldern zunächst ab. Weil aber immer mehr ChristInnen diese Form der Bestattung wünschen, haben die Bistümer Trier, Limburg, Freiburg, Fulda und Würzburg inzwischen signalisiert, dass katholische Priester trotz grundsätzlicher Bedenken bei solchen Urnenbeisetzungen mitwirken können. Einzelfallentscheidungen ermöglicht auch das Erzbistum Paderborn. Als wegweisend gelten die Trierer Richtlinien für eine kirchliche Mitwirkung bei Baumbestattungen. Voraussetzung sei, dass der oder die Verstorbene keinen naturreligiösen oder neuheidnischen Vorstellungen anhinge, heißt es dort. Außerdem müsse es gestattet sein, am Baum ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen und einem christlichen Symbol anzubringen.

Im Mai 2007 wurde auf dem fränkischen Schwanberg bei Kitzingen der erste evangelisch-lutherische Friedwald eröffnet, der genau diese Kriterien erfüllt. Die Beisetzungen der Urnen werden von den Schwestern der Communität Casteller Ring begleitet. Dazu wurde eine Kapelle für Trauerfeiern eingerichtet. Ein Holzkreuz im Eingangsbereich unterstreicht den christlichen Charakter des Begräbniswaldes.

 

Der tote Leib gehört zur Person

 

Dennoch bleiben grundsätzliche Bedenken. Die Konzeption des "Friedwaldes" lasse zentrale Elemente einer christlichen Bestattungskultur vermissen, heißt es in dem 2005 herausgegebenen Wort der Bischöfe "Tote begraben und Trauernde trösten. Bestattungskultur im Wandel aus katholischer Sicht". Denn der Baum als Grab und Grabmal zugleich lege die Deutung nahe, dass der Mensch lediglich in den Naturprozess zurückkehre. Der Mensch sei aber mehr als ein biologisches Wesen und Teil im "Kreislauf von Werden und Vergehen". Der tote Leib sei "nicht nur Hülle, sondern gehört wesentlich zu seiner Personalität". Die Bischöfe nehmen die veränderte Situation der Menschen wahr. Der Ausweg könne aber nicht das Verlagern der Bestattung in einen Wald sein, sondern müsse woanders ansetzen. So könnten Kirchengemeinden die Gräber von Singles oder Menschen pflegen, deren Kinder weit entfernt wohnen, sagt der Erfurter Bischof Joachim Wanke. Als weitere neue Formen christlicher Trauerkultur nennt der Bischof das monatliche Totengedenken der Erfurter Domgemeinde für Verstorbene, deren Grab nur schwer oder gar nicht zugänglich ist. Zudem führt er das neue Kolumbarium, eine Urnenwand, in der Erfurter Allerheiligenkirche an, in dem sich auch Nichtchristen beisetzen lassen können.

 

Grabstätten werden immer teurer

 

Nicht nur die Kirchen beobachten die Ausweitungen der Friedwälder und die Zunahme anonymer Bestattungen kritisch, sondern auch die kommunalen Friedhofsverwaltungen. Mit dem Rückgang herkömmlicher Bestattungsformen liegen große Friedhofsflächen brach, die dennoch gepflegt werden müssen. Da sich Friedhöfe selbst finanzieren sollen,  steigen somit die Kosten für Grabstätten immer weiter an. Auch Steinmetze und Friedhofsgärtner erhalten weniger Aufträge. Es ist also auch im Interesse der Friedhofsverwaltungen, nach Alternativen zu suchen und den Friedhof durch preiswertere und individuellere Bestattungsformen wieder attraktiv zu machen. Das können Beisetzungen von Särgen und Urnen an Bäumen sein oder in besonderen Landschaftsformen innerhalb eines Friedhofs; Gemeinschaftsgräber mit Namenstafeln, deren Pflege übernommen wird; die Wiederbelegung alter, denkmalgeschützter Grabstätten; die Einrichtung von Urnenwänden auf Friedhöfen; die ehrenamtliche Pflege von Gräbern durch Gemeindemitglieder und vieles mehr.

 

"Wir lassen uns unsere Toten stehlen"

 

Nötig sind nicht nur neue Bestattungsformen, sondern auch eine neue Bestattungs- und Trauerkultur. Die Zeit zwischen Tod und Bestattung ist eine ganz wichtige Zeit. Sie entscheidet darüber, ob und wie Menschen ihre Trauer verarbeiten können. "Lassen Sie uns das mal machen", hören Hinterbliebene oft vom Bestatter und lassen sich mit der Unterschrift unter den Vertrag alles aus der Hand nehmen. "Nun muss es aber mal gut sein", hören Trauernde im Freundes- und Bekanntenkreis, wenn sie mehr Zeit für ihre Trauer brauchen. "Die Beerdigung hat in aller Stille stattgefunden", heißt es in Todesanzeigen. Und im Arbeitsleben bekommt man gerade mal zwei Tage Urlaub und soll danach wieder "normal" funktionieren. "Wir haben den Tod tabuisiert und damit Sterbende und Trauernde zu Außenseitern gemacht", sagt Roth und fügt hinzu: "Wir lassen uns unsere Toten stehlen."

Seit 25 Jahren setzt sich Fritz Roth für einen bewussten Umgang mit Tod und Trauer ein. 1983 übernahm der Unternehmensberater das Bestattungshaus Pütz in Bergisch Gladbach. Drei Jahre lang machte er an der Akademie für menschliche Begleitung in Essen bei dem Psychologen und Psychotherapeuten Jorgos Canacakis eine Zusatzausbildung zum Trauerpädagogen. 1993 gründete er in einer alten Fabrikantenvilla das "Haus der menschlichen Begleitung" mit Sälen für Trauerfeiern, mit Abschiedsräumen, die wie Wohnzimmer gestaltet sind, mit Werkstätten, in denen Trauernde Särge und Urnen gestalten können. Hinterbliebene werden nicht sich selbst überlassen, wie das in den Leichenhallen auf Friedhöfen üblich ist. Im "Haus der menschlichen Begleitung" ist immer jemand anwesend, mit dem man über seine Trauer reden kann. 1997 entstand die "Private Trauerakademie" mit Seminarangeboten für Trauernde und Interessierte und 2005 die "Villa Trauerbunt", ein Haus für trauernde Kinder und Jugendliche.

Der Bestatter hält Vorträge und veröffentlicht Bücher, lädt Schulklassen und Neupriester ein, er tritt als Experte bei Landtagen auf, wenn es darum geht, Bestattungsgesetze zu ändern. Lange Zeit galt Roth als Außenseiter in der Bestattungsbranche, weil er sich über Vorschriften hinweg setzt, die den Trauerprozess behindern. "Der Tod ist der Lehrmeister des bürgerlichen Ungehorsams", betont er immer wieder.

 

Ein Umdenken hat begonnen

 

Mittlerweile hat ein Umdenken auch bei anderen Bestattern begonnen. Sie nehmen ihre Aufgabe wieder als Trauerbegleiter wahr, statt sich vorrangig um die Bestattung der Toten zu kümmern. Sie richten Abschiedsräume ein und Räume für Trauerfeiern, die anders gestaltet sind als die kalten Trauerhallen auf den Friedhöfen. Sie machen Angebote der Trauerbegleitung auch über die Bestattung hinaus. Einige Häuser haben sich spezialisiert, wie zum Beispiel das Bestattungshaus "Aetas Lebens- und Trauerkultur" in München (www.aetas.de). Der Bestatter Florian Rauch und seine Mitarbeiterinnen haben sich die Begleitung von Eltern beim Tod eines Kindes zur Aufgabe gemacht. „Wir möchten den Eltern Mut machen, sich diesem schwersten Abschied im Leben zu stellen, weil wir überzeugt sind, dass ohne Abschiednehmen ein Neubeginn schwer fällt oder sogar unmöglich werden kann“, erläutert Florian Rauch. "Wir haben ein Konzept für die Begleitung in diesen Tagen entwickelt. Hinzu kommt eine spezielle Ausbildung unserer Mitarbeiterinnen. Beides gibt uns die Gewissheit, ein kompetenter Ansprechpartner zu sein. Neben Struktur und Orientierung, die in diesen Tagen von Bedeutung sind, finden betroffene Eltern bei uns vor allem menschliche Wärme in einer ruhigen und geschützten Umgebung."

 

Bestatterinnen: Hebammen der Seele

 

Oft sind es Frauen, die als Quereinsteigerinnen im Bestattungswesen andere Wege gehen. Sie sind Theologinnen, Sozialpädagoginnen, Mitarbeiterinnen in Hospizen, Sterbebegleiterinnen, Klinikseelsorgerinnen. Sie greifen die alte Tradition der Leichenfrauen wieder auf, verstehen sich als "Hebammen der Seele" und bieten bewusst eine "Begleitung aus Frauenhänden" an (Schwäbisch Hall: Ajana Holz und Merle von Bredow, www.die-barke.de, Frankfurt: Nikolette Scheidler und Sabine Kistner, www.kistner-scheidler.de,  Hamburg: Maren Repenning und Sylva Vathje, www.bestatterinnen.de , Köln: Lisa Höfflin und Claudia Jäckel, www.lebenswege-frauenbestattung.de , Mainz: Sigrun Baum und Ilse Grünewald, www.gruenewald-baum.de).

Um den Tod zu begreifen, müsse man dem Toten konkret begegnen, man müsse ihn sehen, riechen, fühlen. Alternative BestatterInnen ermutigen die Hinterbliebenen, selbst aktiv zu werden und so viel an Aufgaben zu übernehmen, wie sie selbst es können und wollen. Jeder darf seinen toten Angehörigen bis zur Beerdigung zu sich nach Hause holen und aufbahren. Auch da bieten Frauen ihre Dienste an. Marti Schruer aus Singen/Überlingen (www.letztereise.de) zum Beispiel ist keine Bestatterin, sondern versorgt Tote und begleitet Angehörige bei der Aufbahrung ihrer Toten zu Hause. Wer möchte, kann Verstorbene auch allein oder mit Hilfe des Bestatters waschen und ankleiden. Angehörige können den Sargdeckel selbst schließen und verschrauben, nachdem sie persönliche Beigaben hineingelegt haben. Auch Künstlerinnen helfen, Trauer auf kreative Weise zu bearbeiten. Die Kunsttherapeutin und Bestatterin Susanne Kraft (www.ambula.de) aus Königsdorf in Oberbayern bemalt gemeinsam mit den Angehörigen Särge und Urnen, in denen die Verstorbenen begraben werden. Die Dort-munder Designerin Afra Banach (www.leichenhemd.com) entwirft und näht persönliche Totenhemden. Die Künstlerin Rita Capitain (www.rita-capitain.de) aus Aachen gestaltet aus biologisch abbaubarem Stärkematerial eiförmige Urnen, in die die Asche der Verstorbenen direkt eingefüllt wird, ohne eine herkömmliche Aschenkapsel aus Metall. Die Bildhauerin und Kulturpädagogin Christine Nicolay (www. christine-nicolay.de) aus dem Eifeldorf Greimerath bearbeitet zusammen mit Angehörigen Grabsteine und leistet so handfeste Trauerarbeit.

 

Die Toten wieder in die Kirche holen

 

Wenn es um Bestattungs- und Trauerkultur geht, übt Fritz Roth auch Kritik an den Kirchen. "Ich halte es für eine verpasste Chance, dass wir unsere Toten aus der Kirche verbannen. Während wir die Messe feiern, liegt der Verstorbene vielleicht drei Straßen weiter in der Friedhofskapelle. Es fällt schwer, in einer solchen Feier Trost, Hoffnung und Perspektive zu vermitteln, wenn der Mensch, den wir betrauern, nicht Teil der Gemeinschaft ist." Die Kirche habe wunderbare Rituale, die während einer Zeremonie am Grab stattfinden können. Aber sie erreiche die Menschen nicht mehr. Sie sei nicht da für sie, wenn sie sie brauchen, sondern delegiere ureigene Aufgaben, nämlich die Begleitung von Trauernden gerade in den ersten Stunden nach einem Todesfall, an andere. Acht von zehn Trauerfeiern, die er als Bestatter gestalte, werden von Christen angefragt, die sich mit ihren Wünschen bei den Kirchen nicht aufgehoben fühlen. "Es geht darum zu zeigen: In dieser Gemeinde steht man in guten Stunden und vor allem in schweren Stunden zusammen. Trauer braucht Gemeinschaft. Ich träume davon, dass Trauernde wieder in die Gemeinschaft integriert und dass Sterben, Tod und Trauer nicht mehr totgeschwiegen werden."

 

Das Geschäft mit dem Tod

 

Zwischen 2260 und 25500 Euro schwanken die Kosten, die für die Dienstleistungen des Bestatters, der Friedhofsverwaltung, des Steinmetzes und des Floristen aufgewendet werden müssen. Oft werden Kosten verschleiert und sind daher für die Kunden nicht vergleichbar, bemängelt die Stiftung Warentest. Nicht alle BestatterInnen arbeiten seriös. Sie nutzen die Lage der trauernden Angehörigen aus und überreden sie zum Beispiel zu teureren Särgen oder aufwändigen Trauerfeiern. Sie schließen Provisionsverträge mit Krankenhäusern und Altenheimen, Steinmetzen und Floristen. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas weist darauf hin, dass keine Verpflichtung besteht, den von einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung gerufenen Bestatter zu beauftragen. Verbraucherverbände warnen insbesondere vor Billig-Bestattern, die  Preise versprechen, die sie nicht halten können. Sie raten:

- Überlegen Sie sich, was Ihnen bei der Bestattung wichtig ist. Halten Sie schriftlich in einer Bestattungsverfügung fest, wie Sie bestattet werden wollen und hinterlegen Sie sie so, dass Angehörige sie nach Ihrem Tod schnell auffinden können.

- Lassen Sie sich, wenn ein Todesfall zu erwarten ist, so früh wie möglich von mehreren Bestattungsinstituten beraten. Eine Checkliste (www.aeternitas.de) hilft beim Preisvergleich.

- Bestehen Sie auf einem schriftlichen Kostenvoranschlag mit Einzelleistungen, auch für Bestattungs- und Grabnutzungsgebühren sowie die Kosten für Grabstein und Grabpflege.

- Sorgen Sie finanziell vor. Entweder über ein Treuhandkonto oder über Banksparpläne. Geben Sie das Geld aber nicht dem Bestatter im Voraus. Geht er bankrott, ist es verloren.

Wichtige Dokumente

Legen Sie einen Ordner an, der alle wichtigen Dokumente enthält wie

- Stammbuch, Geburts-, Heirats- und Scheidungsurkunden;

- Angaben wie Kranken- und Rentenkasse, Kontonummern, Abonnements, Zugehörigkeit zu Vereinen und Verbänden, Vermieter;

- eine Liste mit Adressen der Menschen, die von Ihrem Tod benachrichtigt werden sollen.

 

Gabriele Klöckner

KDFB Engagiert-Die Christliche Frau, Ausgabe 11/2008


Eingestellt: 15.01.09